aus dem atelier

bild2Alles Durcheinander: Führung, Organisation, Autorschaft, Management, Regie, Intendanz, Ästhetik, Bild und Sprache, Wort und Strich, Ordnung und Chaos, Archiv und Ablage P.

Alles durcheinander und die Sehnsucht nach Übersichtlichkeit bekommt Konjunktur.

Alles ist miteinander Verwoben und alle sind von allen abhängig und das Wir wird ganz groß geschrieben: WIR! Aber die Ressource! Die Ressource, das bin ich selbst und verantwortlich  bin ich! Sentimental werden die Geschichten von früher erzählt, Geschichten in denen ein Patriarch vorkommt, eine Regel, eine Hierarchie, ein Organigramm:

„Eines der Erfolgsgeheimnisse der AEG um 1900 waren die detaillierten Pläne der Werkstatteinrichtung, die der Gründer Emil Rathenau auf Papier entwickelte. Rathenau liess sich, nicht wie andere durch die Praxis in der Werkstatt beeinflussen, sondern organisierte mit Stift und Papier Maschinen, Prozessketten und Abläufe einfach neu. Auf einem weissen Blatt Papier ordnete er Maßstabsgetreu die Maschinen in der Architektur an, um Prozesse zu optimieren und sich dabei nicht von etwaigen Aufwänden, Schwierigkeiten oder ethischen Bedenken beeinflussen zu lassen. Das bestmögliche Ergebnis entstanden auf Papier ohne Rücksicht auf die diffizile Umsetzung, aber mit fachkompetenter Expertise. Ein Papier, ein Plan, eine Zeichnung als Anweisung, Führung als Befehl und alles andere ist Material. Rathenau hatte sich wahrscheinlich viel zu erzählen mit dem Künstler Peter Behrens, der an der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule Kompositionsübungen auf Papier als die Grundlage eines künstlerischen Schaffens predigte, das in der Gesellschaft wirksam werden wollte. Es ging auch um Zeichnung als Behrens zum künstlerischen Beirat der AEG berufen wurde: Der Künstler, der durch die Zeichnung die AEG zwischen Produkt, Architektur, Werbung, Logo als Heilsbringer für die Welt erschaffte und Rathenau, der mittels Zeichnung Effizienz, Prozessoptimierung und theoriebasierte Führung in Produktion und Logistik realisierte.“

Die Anweisung, die totalitäre Behauptung hat sich nicht nur in der Kunst ad absurdum geführt, sondern ist in allen gesellschaftlichen Feldern, dem Dialog gewichen, dem Zeigen, dem Diskutieren, dem Ver- und Aushandeln. Die Welt ist nicht wirklich komplexer geworden, aber die Komplexität ist sichtbarer. Die Zugänglichkeit und Verfügbarkeit des Wissens macht es nicht eben einfacher und die Sprache kommt ein uns andere Mal an ihre Grenze. Wenn der Vertriebsleiter im Handelskonzern vor 20 Jahren der Nachfrage einer Angestellten mit einem lauten „Ich geb’ Dir gleich Warum!“ begegnete, war das damals schon nur noch als Witz zu verstehen.

Abbilder von Organisationen als Mittel oder Vergegenwärtigung von Führung beruhigen vielleicht den ein oder anderen, aber mit der Wirklichkeit haben diese nur wenig zu tun. Wir sehnen uns danach, das die Verbindung zweier Punkte eine gerade Linie ist, das es ein Oben oder ein Unten gibt, das alle Verbindungen sichtbar sind und ansonsten betrachten wir schöne Eisberge und finden Synonyme für das Unbekannte: UROG. Die Organisation als mythische Erzählung. So wie die Künstler lernen mussten, das es keine Autonomie gibt, das alles immer einen Kontext und einen Leistungsort hat, so ist dies in allen anderen gesellschaftlichen Feldern auch zu lernen: Die Verhältnisse wechseln, die Kontexte verändern alles, die Methoden sind nicht universell und das Eindeutige nichts weiter als eine Vereinbarung  – eine temporäre Vereinbarung.

Das Conversationslexikon is back!

Adem 14. August wieder sonntäglich: Dr. C.’s Conversationslexikon: G wie Geld, S wie Wchulden, W wie Wachstum.

Aus der Ankündigung auf SWR 2

Wie lassen sich die gegenwärtigen Wirtschaftskrisen verstehen
Eine der schmerzlichsten Erfahrungen verschaffen uns die gegenwärtigen Wirtschafts- und Währungskrisen, Pleiten und Zusammenbrüche. Wir kapieren auch bei größter Anstrengung nicht mehr, was da wie passiert. Das tut weh. Wer nichts versteht, weiß nicht nur nicht Bescheid. Wer nichts versteht, kann auch nicht mitreden. Mitreden bedeutet Konversation. Dafür gab es früher Konversationslexika.

Findet man Erklärungen im Internet?
Denn das war der Sinn von Nachschlagewerken: profundes Wissen liefern, damit man sich die Welt nicht durch ahnungsloses Brabbeln erklären muss. Doch woher bezieht man heute dieses Wissen? Steht doch alles im Internet, behauptet eine weit verbreitete Legende. Ja schon, da steht etwas. Da steht sogar sehr viel. Und vieles bewegt sich auch. Aber wird man dadurch klüger? Erkennt man Zusammenhänge, Ursachen, Wirkungen, historische Bezüge und künftige Konsequenzen? Lässt sich Meinung und Information und Verschwörungstheorie unterscheiden? Oder ist das alles nur ein großes Brabbeln?

Erklärungen aus dem Conversationslexikon
Wer versucht, sich online über ökonomische Begriffe wie Geld und Wachstum, Schulden und Effizienz schlau zu machen, merkt schnell, wie schwierig das sein kann. Genau da hilft Dr.C. – mit seinem Radio-Konversationslexikon bzw. Conversationslexikon. Das „C“ sieht etwas antiquiert aus, aber die Methoden des Dr. C. sind alles andere als das.

Dr. C. ist Armin Chodzisnki, geboren 1970 in Hamburg. Er studierte bildende Kunst und promovierte in Anthropogeographie (die Wissenschaft gibt es tatsächlich, von keinem geringeren gegründet als Alexander von Humboldt – näheres steht in jedem Lexikon …). Armin Chodzisnki arbeitete im Management eines Handelskonzerns und in der Unternehmensberatung, dozierte an Kunsthochschulen und Wirtschaftsfakultäten und ist Künstler, Autor und Performer.

Die Methoden des Dr. C.
Er referiert, theoretisiert, exemplifiziert: Zitate, Thesen, Verweise, Quellen und Dokumente. Armin Chodzinski denkt laut und live – und manchmal tanzt er auch dazu, sogar im Radio. Manchmal mag er dabei etwas verkrampft wirken, aber das ist nur dem Umstand geschuldet, dass er auch die komplexesten Zusammenhänge auseinanderdröseln will. Zugegeben: was er als Wissen vermittelt, ist ordentlich mit Meinung untermischt. Aber das wird einem sofort klar, wenn man ihn sieht: der Mann mit der markanten Brille und dem lachsfarbenen Anzug ist eindeutig kein Hochschuldozent. (Und tatsächlich: man „sieht“ seinen Auf- und Anzug sogar im Radio …)

Unterstützt wird Chodzinski bei seinen therapeutischen Bemühungen vom Musiker Nis Kötting und den Schauspielern Iris Minich, Ruth Marie Kröger und Andreas Grötzinger. In einer vierteiligen Kunst-Musik-Bildungs-Revue-Feature-Reihe nimmt sich das Quintett Begriffe vor, die hochabstrakt scheinen, in ihrer Wirkung aber sehr konkret sind.

So lässt Dr. C. fast keine ökonomische Frage offen. Und er deutet sogar an, wie man aus den Teufelskreisen wirtschaftlicher Miserendynamik herauskommt: einfach mal hinsetzen und gar nichts tun – außer SWR2 hören.

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expedition in v(oy)age vorstellungen!

Illustre Gäste auf dem Weg in die Auseinandersetzung! 5 Nächte – 30 Gäste! 19.30 Uhr bis 6.00 Uhr. Eine Expedition in v(oy)age Vorstellungen zwischen Utopie, Dystopie, Vision, Rationalität, Maßnahmenplänen, Fatalismus und vielem mehr! Das Gepäck ist definiert und versprochen wird nichts, denn auf dem Weg durch die Nacht, durch den Zwischenraum ist und bleibt alles unberechenbar!

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„Begriffen kann man sich über deren Definitionen nähern, die vielleicht nicht sonderlich modisch sind, aber zumindest für eine Zeit lang Gültigkeit behaupteten. So speist sich eine Vorstellung von Utopie zum Beispiel aus einem Eintrag des Brockhaus‘ von 1974, in dem als Eckpunkte der Utopie dessen Realisierbarkeit und Umsetzungsmöglichkeit genannt werden. Im selben Eintrag wird die Religion explizit ausgenommen, da sich in der Religion immer auch der Verweis auf das DAVOR und das DANACH findet, das im Sinne des Brockhauses eben gerade kein Möglichkeitsraum, sondern ein Glaubensraum sei.
Die Utopie als literarische Form, als Erzählung, ist immer auch eine Schöpfung, der Entwurf einer Möglichkeit, die – soweit zu überblicken  – frei von jedweden Wundern ist. Die Utopie folgt der Naturwissenschaft, entwickelt sich damit und darin und kommt zu allerlei Mutmaßungen was der Mensch sein könnte, wenn er nur wollte. Diese bewusste Entfernung von den Bedingungen der Existenz, die das menschliche Geheimnis immer nur unterkomplex darstellt, immer Aspekte verschweigt oder Wünschen ein breiten Raum einräumt, machte die Utopie zunehmend fragwürdig.
Denn in Jahrhunderten wurden wir der Tatsache gewahr, das die Anwendung eines Planes eben meist nicht viel mehr als Ärger bringt und eigentlich nur der ernsthaften Entwicklung mit all seinen Rückschlägen zu trauen ist. So ist der Blick auf Religion in seiner Erscheinungsform Kirche doch auch deshalb in Verruf geraten, weil sich eben gerade kein verschriftlichter Plan in die Welt legen lässt.“
 

begleitetes flanieren in hamburg

Der Frühling breitet sich aus und die Spaziergänge werden – hoffentlich – zum täglichen Ritual. In Hamburg gibt es für alle die sich beim Gehen langweilen seit langem Audioguides. 87 Stationen um, neben, über und hinter Kunst werden jetzt mehr oder weniger täglich auf Soundcloud bereitgestellt. Die Touren sind aus dem Jahr 2011, teilweise noch nie veröffentlicht und sowohl auf deutsch als auch auf englisch verfügbar. Viel Spass!

künstlergespräch

Chodzinski / Jorinde Voigt
Foto: HAYO HEYE

Montag, 23. Mai 2016 – Künstlergespräch Armin Chodzinski in der Ausstellung:; „…und eine Welt noch!“ im Kunsthaus Hamburg

„So, wie er sich mit den Theorien des Soziologen Norbert Elias und des Nationalökonom Max Weber auseinandergesetzt hat, so war auch die Begegnung mit dem Werk von Hanne Darboven von fundamentaler Bedeutung für seine künstlerische Praxis. Die Idee des – vor allem protestantisch geprägten – Arbeitsbegriffs spielt in Darbiven`s Praxis eine wichtige Rolle.“

 

superhelden und das ensemble resonanz

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Soiree am 06.05.2016 um 20:00 Uhr im Panoramakino
Ensemble Resonanz // Armin Chodzinski, Lesung // Sebastian Reier, Electronics

In diesem Format treffen zwei Welten aufeinander: Klassik und Klub. Im Rahmen der Movimentos Festwochen der Autostadt in Wolfsburg widmet sich das Ensemble Resonanz den Super- und Antihelden in und um uns. Ein Konzert zum Thema Heldenliebe und Heldentum, vom gebrochenen Pazifisten zum amerikanischen Real Life Superhero. Ferdinand der Stier trifft auf Batman, Don Giovanni auf Don Quixote. Die musikalische Bandbreite reicht von Telemanns „Don Quixote Suite“ bis zu Hans Zimmers „A Dark Knight“ — der Batman-Filmmusik. Für fließende Übergänge sorgt Sebastian Reier alias Booty Carrell mit einem heroischen DJ-Set ausgewählter elektronischer Musik.

DIE KÜNSTLER
Das Ensemble Resonanz wurde 1992 als Musikerkommune gegründet. In seiner Heimatstadt Hamburg hat es die Konzertreihe Resonanzen in der Laeiszhalle etabliert (ab 2017 in der Elbphilharmonie).

Armin Chodzinski arbeitet am Verhältnis zwischen Kunst und Ökonomie und deren Destillation im urbanen Raum. Seine Lesungen, Performance Lectures und künstlerische Arbeiten versteht er als Selbstversuch. Sebastian Reier hat sich in der Praxis wie als Publizist der Musikvermittlung verschrieben. Als DJ, Kurator und Produzent von Musikprogrammen liegen ihm insbesondere die Konzepte der frühen elektronischen Musik am Herzen.

zeichnungen/studien: malkontentista

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Wikipedia sagt: „In der Regel ist die künstlerische Zeichnung eine Handzeichnung (auch Freihandzeichnung). Zeichnungen können aber auch mit Hilfsmitteln (LinealeSchablonen) gestaltet werden; oft ist dies bei technischen Zeichnungen der Fall.“

Und weiter, aber an anderer Stelle: „Eine Technische Zeichnung ist ein Dokument, das vorwiegend in grafischer und zum Teil auch in schriftlicher Form alle notwendigen Informationen für die Herstellungund zur Beschreibung der geforderten Funktionen und Eigenschaften eines Einzelteils, einer Baugruppe oder eines kompletten Produkts zeigt und als Teil der Technischen Produktdokumentation dient. DIN 199 definiert dazu folgendes: „Eine Technische Zeichnung ist eine Zeichnung in der für technische Zwecke erforderlichen Art und Vollständigkeit, z. B. durch Einhaltung von Darstellungsregeln und Maßeintragungen.“