presse / kommentare (auswahl)

„Gorillas im Nebel“ Nina Lucia Groß und Raphael Dillhof schreiben über die Ausstellung Hans Castorp in der Galerie Dorothea Schlüter in Kultur&Gespenster Nr. 16 / Herbst 2015

kUg„Chodzinski übernahm für die Wandvertäfelung die Installation „Horizon Home Sweet Home“ von James Rosenquist (1970) als formale Schablone. Rosenquist lieferte mit großformatigen, monochromen Ölgemälden, die zu bestimmten Zeiten durch Trockeneisnebel zu einer ätherischen, im Dunst schwebenden Landschaft zusammenflossen, eine Art Bestandsaufnahme der Zeit nach den 60er Jahren, zwischen diffuser Angst vor Atomkrieg, Aufbruchsstimmung der Mondlandung und Trip-Erfahrungen des Hippietums.

Chodzinskis Horizont ist statt der Farbe vielmehr dem formalen Prinzip der Struktur gewidmet: Linien und Analysen, Graphen, Cluster und Mindmaps sind über die Felder gezogen, welche auch ohne Beschriftung eine Ahnung ihrer Verwurzelung in Geschäftsberichten und Businessmodellen zulassen. Die Strukturen sind jedoch nicht mehr operativ wirksam, sie stellen nichts dar als sich selbst, erklären keine Zusammenhänge sondern vollziehen bloß noch sich selbst nach. Die Spiegelfolie gibt nicht mehr als eine Abstraktion ihrer eigenen, ihr zugeschriebenen Funktion wieder. Die Linien und Konstruktionen toben sich aus, drehen sich selbst und die Schraube um ein tausendfaches durch, sie verweigern jeden Verweis. Chodzinskis Diagramme wehren sich gegen jeden Bezug zur sogenannten Wirklichkeit, sie hebeln das Dogma der Les- und Anwendbarkeit programmatisch aus.

Die Nebelmaschine bläst erneut zum Angriff. Dampf, pünktlich wie im Davoser Sanatorium und mit ihm, für einen kurzen Augenblick, das erleichterte Aufatmen: endlich Emotion! Der Nebel verschleiert die wahnsinnigen Strukturen, erlöst den Blick vom Geflecht und wiegt die Besucherin in einer luftigen Wolke. Der Nebel ist die mechanisch gesteuerte Kur für die erschöpfte Betrachterin, das verabreichte Gefühl, wohldosierte Belohnung.“

„Profiteure der Kapitalismuskritik“ Falk Schreiber schreibt über die Theater-Revue Allegorie der Unsterblichkeit (Kampnagel,Hamburg) in Theater heute, Nr.6, Juni 2014:

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Singen, Tanzen, Brüllen, Predigen. Das ist dann großartig, wenn der Performer zeigt, das er selbst nicht mehr weiter weiß, wenn im Vordergrund über die Begriffe „Arbeit“, „Herstellen“, „Handeln“ doziert wird und im Hintergrund hilflos drei entsprechende Fahnen geschwenkt werden

 

 

„Man kann Theorie tanzen!“ Armin Chodzinski im Gespräch mit Jürgen Ziemer. Der FREITAG. Ausgabe 1214, 24.03.2014

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Meine Methode ist der Selbstversuch: Wie viel Machtbehauptung, oder auf Deutsch, wie viel Arschlochhaftigkeit halte ich aus? Ich mache mich selbst zum Exempel und versuche die Widersprüche zwischen Denken und Handeln aufzuspüren und sichtbar zu machen. Dabei entsteht meist auch das Amüsante. Trotzdem ist alles, was ich tue, komplett ironiefrei! (Artikel)

 

 

„Poesie des Nullwachstums“ deutschlandradio kultur schreibt und sendet am 23.03.2014:

Armin Chodzinski ist so etwas wie ein Gesamtkunstwerk: Er studierte an der Kunsthochschule Braunschweig, bevor ihn eine Performance in die Unternehmensberatung führte. Anschließend promovierte er im Fach Anthropogeografie über die Beziehung zwischen Kunst und Wissenschaft.
Das Wachstum habe seine Bedeutung als Heilsversprechen seit dem Bericht des Club of Rome 1972 eingebüßt. Weder die Wirtschaft noch der Mensch könnten in einer begrenzten Welt endlos wachsen. „Das ist ja erst mal etwas, was man emotional verarbeiten muss.“ Den Besuchern wolle er stattdessen Poesie anbieten, um „hoffnungsvoll in die Zukunft“ schauen zu können.

 

Alan Lomax schrieb am 7. September 2011 auf dem Blog www.lomax-deckard.de :

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So gleicht es einem Traum, wenn der unfassbar grandiose Doktor des deutschen Modtums Armin Chodzinski (interessierte Ahnungslose müssen sich diese Kult(ur)Figur selbst googlen!) mit dem charismatisch, sympathischsten Sängers Hamburgs im Vorgarten sitzt, das ewige Feuer glühen lässt, GinTonic trinkt und sich darüber unterhält, was man früher nicht wa(h)r! Nämlich Teil einer Jugendbewegung, frei nach Tocotronic!

 

Der Kölner Stadtanzeiger schrieb am 14. September 2008 anlässlich einer Performance Lecture für die Spielzeiteröffnung des Schauspiel Köln:

Ohne Titel

Und wieder andere, wie Armin Chodzinskis und Otmar Wagners zusammengelegte Performance-Projekte auf dem Vorplatz des Schauspielhauses, sprengen den Rahmen des Bühnenreigens. Chodzinski macht sich Gedanken über globale Unternehmen als neue Nationalstaaten. Das tut er mittels volkswirtschaftlicher Vorträge und Wiederholungen bizarrer Momente der Wirtschaftsgeschichte, wie etwa dem Veitstanz des Microsoft-Chefs Steve Ballmer, den man auf „Youtube“ nicht ganz zu Unrecht unter dem Titel „Dance Monkeyboy“ findet. […] Wie gesagt, Chodzinski und Wagner überschreiten mit ihrem in direkter Erbfolge des Brecht’schen Lehrstücks stehenden Theaterformen das Maß des bunten Abends. Und das ist gut so.

 

In politik&kultur – Zetung des Deutschen Kulturrates schreibt Börries von Notz im Jan/Feb 2008 auf der Seite 48:

kunstundpolitik

Der Künstler egriff mit dem in seiner Rigorosität verstörenden Vortrag die Gelegenheit, als Künstler selbst etwas zum Them Kunst zu sagen. Dabei flatterten die Manuskriptseiten scheinbar schtlos in Richtung Publikum, dem Gesagten also gleich hinterher, als wenn dieses Gesagte nicht wert wäre, aufgehoben zu werden und von vorneherein dazu bestimmt sei, zwischen den Stuhlreihen liegen zu bleiben.

 

 

BEWEGUNG! Peter Lau in BRAND EINS 03/2005 zu Kunst und Wirtschaft:

Ohne Titel

Armin Chodzinski redet schnell und sprunghaft, die Worte scheinen manchmal nur bis an die Oberfläche dessen zu dringen, was in seinem Kopf vorgeht, und weil er nicht in den Kern vorstoßen kann, umrundet er ihn, sodass seine Form wenigstens zu ahnen ist. Malerei, sagt er später, habe er studiert, weil er der Sprache misstraut habe und Bilder schaffen wollte. Manchmal macht er Pausen, dann denkt er nach, dafür muss Zeit sein. Der Verlust der Freiheit in Konzernen hat auch etwas mit Geschwindigkeit zu tun, sagt er. Aber das ist allgemein bekannt, das Tempo verringert die Freiheit, weil es zum Tunnelblick führt. Doch Chodzinski kann hier tun, was er will, in dieser Küche, die klein und dunkel ist, das Büro nebenan ist auch nicht viel größer oder heller, aber das hat er sich selbst ausgesucht – Freiheit bedeutet eben nicht nur, seine Ziele selbst zu bestimmen, sondern auch seine Grenzen. Freiheit ist das Wichtigste, das die Wirtschaft von der Kunst lernen könnte.

 

Jan Holtmann (Noroomgallery) im August 2011 über Armin Chodzinski:

 

Der Deutschlandfunk berichtet 2003: