G wie Geld

Ur-Sendung: 06. September 2015 / 14.05 Uhr / SWR 2 / Der Doktor kommt!

Die ganze Folge als Download

Was Sie hier finden ist eine Art Sammelsurium. Entlang des Radiofeature-Skriptes finden Sie  Materialien, Verweise, Spuren und Hinweise, die ohne Anspruch auf Vollständigkeit einen assoziativer Einstieg in das Themenfeld bilden. Eine definierte Zugangstür in die Perspektive, die dem Conversationslexikon zu Grunde lag und liegt.

Skript und Verweise und die ganze Sendung:

Herzlich Willkommen bei Dr.C.’s Conversationslexikon. Heute: G wie Geld. Eine Radiofeature mit und ohne Publikum von Armin Chodzinski und Nis Kötting.

Mario Adorf als Generaldirketor Haffenloher – Kir Royal, 1985 – Regie: Helmut Dietl

 

dradioAus dem Radio in der Küche:

Christoph Türcke in der Lesart von Deutschalandradio Kultur über sein Buch: Mehr! Philosophie des Geldes im Gespräch mit Thorsten Jantschek.

Die Zuhörenden machen den Abwasch.

Ok, es geht also um Geld… um Scheine und Münzen, um das Klingen und das Rascheln… Registrierkasse… Bonrollen, mechanische Additionsmaschinen… gleicher, stampfender Rhythmus und dazwischen die Euphonie von Gold und Silber, Kupfer…

Brockhaus Enzyklopädie, 17.Auflage
„Geld [gotisch: Gild >Steuer<] allgemeines, meist staatlich anerkanntes oder eingeführtes Mittel des Zahlungsverkehrs. Das lateinische Wort pecunia (Geld) wird in der Regel auf pecus (Vieh) zurückgeführt; es weist auf den sakralen Ursprung des Geldes als den Ersatz des Opfertieres hin, das auf der Münze abgebildet wurde.“

Die Zuhörende wird grundsätzlich, während der Zuhörende in Geräuschen, Gefühlen und Ritualen flaniert.

Georg SIMMEL (1920): Philosophie des Geldes.
„Es scheint, als ob selbst das nutzbarste Objekt, um als Geld zu funktionieren, auf seine Nützlichkeit verzichten müsste. […] Wenn zum Beispiel in Abbessinien besonders zugeschnittene Stücke Steinsalz als Scheidemünze kursieren, so sind sie doch eben Geld nur dadurch, dass man sie nicht als Salz gebraucht“

Ochsen, Schafe, Ziegen… auch Menschen … als Opfergaben… Das Opfer verzichtet in der Regel ja auch auf seine Nützlichkeit…. daraus entwickelt sich dann das Geld… also das andere Geld, das Richtige…. Das … Geld ist angefüllt mit Bedeutung, mit Hoffnung, mit Geschichten mit Sehnsucht… Es lässt sich schmecken, hören, denken und … spüren..Das Bad im Geld… Der Mammon … die Gier… die Macht und die Versuchung…ohne das man noch was in der Hand hat?! Nichts erinnert mehr an das Schlachten, das Opfern, das Schreien… da raschelt nicht mal mehr etwas… Geld gibt es zwar noch, aber man kann es nicht mehr anfassen…

Matthias Morgenthaler im Gespräch mit Aldo Haesler. TAGESANZEIGER, 28.12.2011: „Geld ist das letzte Band, das uns noch aneinander bindet.“: Wir stehen vor dem Zusammenbruch unserer Sozialwelt. Repräsentativstudien aus den USA zeigen, dass die Menschen immer weniger Bezugspersonen haben, mit denen sie über wirklich wichtige Themen reden können. Nannten die Befragten 1985 durchschnittlich noch zwischen 12 und 13 engen Bezugspersonen, waren es 1995 noch 5 bis 6 und 2005 lediglich noch 2 bis 3. Man muss sich das vorstellen: Innerhalb von zwanzig Jahren wurde der wichtigste Sozialkreis des Durchschnittsamerikaners auf einen Sechstel reduziert! Der Grad der Vereinsamung in unserer modernen Gesellschaft ist rasant angestiegen. Geld hat in dieser Situation die Funktion eines letzten Rettungsankers. Aber paradoxerweise ist es nicht nur ein letztes Band, es ist auch die Ursache für diese Einsamkeit.

 

haeslerIIIIn der Sendung „Aus der Intimshäre des Geldes“ des SRF spricht Martin Heule mit Aldo Haesler  im Jahr 2011:
„In Frankreich, wo ich lebe, ist eingetroffen, was ich vorausgesagt habe: An der Kasse im Supermarkt zahlen von zehn Personen sieben mit Kreditkarte, zwei mit Checks und eine mit Bargeld. Das zeigt: Bargeld ist ein Auslaufmodell. […] Diese Leute wollen wieder das Geld mit vollen Händen, sie wollen wieder schwarze Finger…“
Das ganze Gespräch findet sich: hier

 

Ein Vortragssaal. Schwungvoll und mit weit ausladenden Gesten betritt der Vortragende im lachsfarbenen Anzug die Bühne. Maskenhaft grinsend, sucht sein Blick den Kontakt zu dem Publikum.

der vortragende.
Guten Tag und ein herzliches Hallo… Geld! Taler! Steine! Kohle! Cash! Flocken! Penunsen! Es gibt unzählige Worte, Begriffe, Ausdrücke und Synonyme, die wir verwenden wenn wir von Geld sprechen. Dabei verrät WIE wir ÜBER und VON Geld sprechen alles über uns… über unsere Soziale Herkunft, unsere Sicht auf die Welt, den Anspruch den wir an uns, an die Zukunft, die Gegenwart… an das Ganze stellen! Dabei bleibt Geld immer ein Versprechen! Geld! Das Versprechen das WIR miteinander verbunden sind, das WIR nicht allein sind. Das Versprechen des gemeinsamen Fortschritts, der Entwicklung!
Geld ist das Versprechen Freude zu stiften, wie es die stete Versuchung ist Unheil über … die Anderen zu bringen! Und dabei ist das Geld uns nicht unähnlich, denn es darf nicht ruhen, es darf sich nicht verstecken!

Der Vortragende: Geld ist wie der moderne, kreative Mensch: immer in Bewegung, ohne festen Wohnsitz und nur in der Verwertung glücklich…

 „Wenn Du einmal Geburtstag hast, mache ich es dir schön! Da werden wir dann beide ins größte Kaufhaus gehen! Da gibt’s die schönsten Sachen und alle sind für Dich! Oh, da kannst Du lachen, fröhlich lachen! Oh, da kannst Du lachen, denn zahlen tu ich! – Lange dauert es nicht mehr, dann mach ich mein Sparschwein leer, denn dann kommt der Tag herbei auf den ich mich so freu… so freu… so freu…:“

Beseelt und verkrampft zugleich gibt sich der Vortragende alle Mühe nicht nur den Inhalt, sondern auch die Form des Schlagers gemeinsam mit dem Publikum zu zelebrieren.
Dabei wirkt seine Gestik deutlich aus der Zeit gefallen und irgendwie unsympathisch.

der vortragende.
Lustvoll, im Dienste des Guten und doch mit sorgsamer Vorsicht zerschlägt Heintje 1968 das Porzellanschwein! Alle noch vorhandenen Ängste der Nachkriegszeit zerschlägt er mit einem Hammer, um nichts weniger als Freude zu stiften! Mit dem Schlachten des Schweines inmitten aufbegehrender Studenten verleiht Heintje 1968 der Hoffnung und der Gewissheit Ausdruck, dass es ein Morgen gibt und das Morgen und allezeit Geld da sein wird! Fürchtet Euch nicht! Das Schlachten der Opfertiere, hat genauso Bestand, wie das Geld selbst! Wir können vielfältiges Opfern solange wir an die Versprechen des Geldes glauben! Und…? Können Sie sich vorstellen warum? Warum ist dieser Glauben so berechtigt ist?

priesterDie Kaufleute lösen die Priester ab…

Siehe auch: Glaube und/oder Geld

 

die zuhörenden.
Dominus Providebit!
Bitte?
Dominus Providebit! Die Inschrift auf dem 5-Franken-Stück: Der Herr wird versorgen! Auf dem Rand des Fünfliber… damit man den Rand nicht abschleifen kann
Aha.
Das bezieht sich auf die Opferung Isaaks. Abraham wird von Gott aufgefordert seinen Sohn Isaak zu opfern, auf dem Weg zur Opferstätte fragt Isaak seinen Vater warum sei denn kein Opfertier mithaben und Abraham entgegnet: Dominus Providebit… Kurz bevor Abarahm Isaak verbrennen kann, kommt ein Engel herbei und stoppt das unwürdige Szenario. Abraham wird für seine Gottesfurcht belohnt… denn allein die Bereitschaft zählt! Und Sarah sprach: Du bist Willens die Tat auszuführen?…. Offen gesagt Ja.

Immanuel Kant: „[Geld] ist das allgemeine Mittel, den Fleiß der Menschen gegeneinander zu verkehren, so: dass der Nationalreichtum eigentlich nur die Summe des Fleißes ist, mit dem Menschen sich untereinander lohnen, und welcher durch das im Volk umlaufende Geld repräsentiert wird.“ (vgl.)

Der Dialog mit dem Publikum. Mühselig und nicht wirklich ernsthaft, aber doch von Erfolg gekrönt, sind die unterschiedlichen Versuche das Publikum in den Vortrag einzubinden – ein Gefühl des Miteinanders zu erzeugen.

der vortragende.
…wir können und müssen Glauben, weil wir fleißig sind!
Geld als das Mittel den Fleiß der Menschen untereinander zu verkehren! In Gemeinschaft, als Kommunikation und als Bewertung! Ja, wir können und müssen die Spar-Katzen und Karl-Marx-Köpfe schlachten, weil wir unserem eigenem Fleiß genauso so sehr vertrauen können, wie dem Fleiß unseres Nachbarn! Geld ist eben selbst keine Ware! Zumindest nicht zu Zeiten Kant’s. Früher hatte Geld eben keinen Wert an sich, sondern Geld repräsentierte alle Waren!! – Es repräsentierte alle Waren, weil wir es so wollten… bis wir etwas anderes wollten!
Wohlstand für Alle durch Konsum!! Ludwig Erhardt feuert die junge Republik an! Der Wohlstand aller, der kollektive Wohlstand ist abhängig vom Einzelnen: Im Rhythmus der Dampfhämmer und dem Dröhnen der Bagger, nur unterbrochen durch die Frühstücks-, Mittags- und Feierabendsirene…. Der Geist des Aufbau und des Wachstums wird geatmet! Wir hyperventilieren und berauschen uns an uns selbst!!

Aber das Geld ist uns eben nicht unähnlich und irgendwann ist es Müde! Das Geld will nicht mehr nur repräsentieren, es will sich emanzipieren, sich endlich auch mal um sich selbst kümmern! Müde von dem ganzen Fleiß, der dereinst in ihm verdichtet wurde, legt es sich an sich selbst an… denn es hat ja auch schon viel erlebt… es musste Vereinigen, es musste Kriege führen, es musste Fürsorge und Schutz bieten… aber erst muss es geboren werden…

Die Bühne verdunkelt sich. Hinter dem Vortragenden erscheint eine überlebensgroße Projektion. Filme sind zu sehen, ein Zusammenschnitt aus Werbefilmen der 30er, 40er und 50er Jahre. Die grobkörnigen Schwarz-Weiss Bilder erzeugen eine eigentümliche Stimmung, in der der Vortragende nun mit einem Handmikro die Bühne unruhig durchschreitet und zu einer Art Sänger wird, der sich von seiner eigenen Gestimmheit davon tragen lässt.

 Allegorie_4753401871. 1871. Die Reichsbank wird gegründet und mit ihr hält die Mark ihren Einzug. […] Die gute alte Mark. Die schöne, harte, gute alte Mark. Mit Gründung der Reichsbank 1871 wird die Mark als allgemeines Zahlungsmittel im Deutschen Reich eingeführt. Die Mark, die Reichs-Mark, die alles vereinigen soll und kann… Die Deutsch-Mark die als Ost und als Westmark alles vereinigen soll und dann auch kann. Hinter sicheren Türen ist das Geld sicher, hinter den dicken Stahltüren ist das Geld sicher. Die Sparkasse, das Bankinstitut, die Herren in ihren guten Anzügen und gestärkten Hemdkrägen. […]
Der sichere Ort für das Morgen, für die Hoffnung, für den Einzelnen? Der Schutz durch die Großfamilie nimmt immer weiter ab… im weiter ab durch die Industrialisierung: Die Großfamilie löst sich auf!? Menschen verlassen die Höfe, kommen in die Städte, ziehen in Wohnungen, die keine Großfamilie zulassen und suchen nach: Sicherheit. Der Weg vom Land in die Stadt ist der Weg in die … in die… in die… ja auch in die Sicherheit außerhalb des Bruders, der Mutter, des Vaters, der Schwester, dem Nachbarn… Die Herren in ihren guten Anzügen und gestärkten Hemdkrägen versprechen Schutz und Sicherheit. […]
Das Sparen ist doch die Hilfe zur Selbsthilfe. Das INDIVIDUELLE Sparen ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Ja. Ja. Ja. Planmäßiges Sparen lohnt sich! Selbst die Industriellen, die Bonzen, die Unternehmer… hören auf Väter sein zu wollen. Kein Patriarch. Kein Vater in der Organisation. Gut. Sehr gut. Oder? […]
Nun ist der Staat für das Soziale, für das Gemeinsame, für die Kinder und das alles zuständig. Man zahlt schließlich … Steuern. Der Staat, Das Reich, das Land sorgt sich um Dich, es muss sich um die Sorgen und es muss Kriege führen und es muss andere Länder vereinnahmen, fernhalten, wegblasen, sich nichts bieten lassen! Ja. Ja. Ja. Du musst sparen… Du musst dein Geld zur Bank bringen und Du musst sparen! Du musst Dein Geld zu Bank bringen und Du musst sparen! So ein Krieg der kostet etwas. So ein Krieg der kostet etwas. Und du sollst den Klang der Münzen und Rascheln der Scheine nicht spüren….

 „23. August 1994. Gut 2 Jahre nach dem offiziellen Ende der erfolgreichen House-Band THE KLF, verbrannten deren Gründer Bill Drummond und John Cauty in einem Bootshaus an der Westküste Schottlands Geldscheine im Wert von 1 Million Pfund.“

Mr. Drummond, wie lange brennt eine Million Pfund?
Ziemlich genau 63 Minuten
Haben Sie mit Benzin nachgeholfen?
Das war nicht nötig, denn wir hatten es nicht eilig. Zuerst haben wir nur ein Bündel angezündet. Und als das ganz in Flammen war, haben wir in aller Ruhe den ganzen Haufen; Bündel für Bündel, hinterher geworfen. Eine Million in Scheinen vernichtet man nicht einfach, indem man ein Streichholz anzündet. Das ist Arbeit. Die Vorbereitungen haben mich und meinen Partner Jimmy fast ein Jahr gekostet.
Sie haben das zu zweit geplant?
Ja, wir beide arbeiten als The K Foundation immer an diversen Projekten. […]Zuerst mußten wir uns um das Geld kümmern. Das war nicht so einfach. Man kann nicht mal kurz zur Bank gehen und eine Million Pfund in bar von seinem Konto abheben. […] Es gibt kaum noch Bargeld, weil alles mit Plastik bezahlt wird.
Was mussten Sie tun, um so viel Papier zu bekommen?
Viel erklären und am Ende 7000 Pfund investieren – in eine Versicherung: um die Mitarbeiter der Filiale, in der wir unser Geld in Empfang nahmen, für den Fall eventueller Gewalttaten abzusichern.

Karl Heinz Richard Fürst von Sayn-Wittgenstein
Villa_Colani_von_Karl_Heinz_Richard_Fürst_von_Sayn-Wittgenstein_auf_Mallorca
Off-the-Record:
Die Ordnung der Dinge. Die Ordnung der Dinge ruht auf der Vorraussetzung, das alle Unterschiedlichkeiten und alle Vielfältigkeiten von einer Einheit getragen werden: Der Gleichheit vor dem Naturgesetz. // Wir geben uns mit dem aber nicht zufrieden: Unbekümmert um die Ordnung jener Reihe, erheben wir das Eine empor und drücken das Andere herab. Nicht die Einheit, sondern der Unterschied wird zum Wesen erhoben. // Dass Gegenstände, Gedanken, Geschehnisse wertvoll sind, das ist aus ihrem bloß natürlichen Dasein und Inhalt niemals abzulesen! Die Ordnung den erfundenen Werten gemäß weicht von der Natürlichen aufs weiteste ab. // Wir bekleiden die Dinge mit einem Wertquantum wie mit einer eigenen Qualität und überlassen sie dann den Austauschbewegungen – gänzlich unvorhersehbaren Wertwirkungen, die sich in der Wirtschaft vollziehen – dessen Konsequenz, dessen Sinn, dessen Material und Substanz… ist das Geld!

 

Immanuel Kant: Geld ist ein Sache, deren Gebrauch nur dadurch möglich ist, dass man sie veräußert […] Ein Scheffel Getreide hat den größten direkten Wert als Mittel zu menschlichen Bedürfnissen. Man kann damit Tiere füttern, die uns zur Nahrung, zur Bewegung und zur Arbeit an unserer statt dienen. (vgl.)

Während die Zuhörenden durch unterschiedliche Szenarien reisten und nun eilig den Bus verlassen, müht sich andernorts ein Vortragender redlich damit ab einem eher stoischem Publikum den Umraum eines Begriffes nahe zu bringen.

der vortragende.
…wenn sie verstehen was ich meine?! Das Sparen des Geldes meint eben nicht nur das Horten von Material, das wir als Geld anerkennen! Nicht nur den Verlust fast aller unserer Rituale, die mit Material, mit Geben und Nehmen, mit Opfern, mit Trennung und Schmerz verbunden sind …nein: Sparen meint – im engeren Sinne – mindestens seit 1871: das Überführen von Material in eine Zahl auf einem Papier, in einen Gedanken, der sich in dem Aufbau der Gemeinschaft im Wohlstand aller einlösen soll – das ist zumindest die Behauptung.
Alles wird neu und wir können nur noch glauben. Ich notiere: Geld Nutzen Wertschöpfungskette und Metaphysik…

Während der Vortragende sich zu einer bereits mit Begriffen übersähten Tafel im hinteren Bühnenraum wendet, um die Worte zu notieren verändert sich die Licht-Stimmung. Lichtpunkte einer Diskokugel durchwandern den sich langsam verdunkelnden Raum. Auf der Projektionsleinwand sind unterschiedliche Film-Fragmente zu sehen, die sich überlagern und verwischen. Die Bilder sind nicht ohne Sogwirkung: Diskokugel, Sound und Projektion schaffen eine… Atmosphäre.

der vortragende.
Wir glauben. Bei aller Blasphemie glauben wir an Geld. Weil der Glauben das letzte Band ist, das uns miteinander verbindet. Wir wollen nicht, dass es aufhört. Alle. Alle und Niemand. Unsere Nachbarn, deren Nachbarn und deren Freunde, alle glauben wir an Geld und damit gewinnt das eigentlich Nutzlose überhaupt erst seine fundamentale Macht und Funktion. Das ist doch erstaunlich: Gerade in der Säkularisierung wird der Glauben immer größer und fester… Die Deckung des Geldes mit Gold, Silber oder Kurantmünzen kann man vernachlässigen! Muss man vernachlässigen: Vertrauensbildende Maßnahmen! Der Glauben sucht den faktischen Beweis, das Leichentuch auf dem der Heiland erscheint! Wer sah je die Berge von Gold? Welche Bedeutung haben sie? Und der Fleiß? Oder die Arbeit? Tropft Schweiß aus dem Papier?

Auf der Projektion erscheint Richard Nixon, der das Ende der Golddeckung bekannt gibt, während sich der Vortragende am Rednerpult mit dem Sortieren seines Manuskriptes beschäftigt und wir ihn dabei erneut kurz allein lassen

die zuhörenden.
Der Zweifel ist das Stiefkind der Inquisition, sagt man… oder die Schwester des Zorns…? Ich weiß nicht mehr genau, aber… kann ja auch beides sein..

Was beides?

Also der Zweifel kann gleichzeitig das Stiefkind der Inquisition und die Schwester des Zorns sein, entweder die Stiefschwester oder – was wahrscheinlicher ist – der Zweifel wurde von der Inquisition adoptiert…

Ja…. Markus Metz/Georg Seeßlen (2014): „ Zweifellos kann dieser Glauben an die Kunst verloren gehen. Denn anders als in den Jahrhunderten zuvor hat der doppelte Wert der Kunst – und nicht nur darin wird uns eine Parallelgeschichte von Kunst und Geld begegnen – keine Deckung mehr, weder in der Religion, noch im historischen Programm, weder in der Idee noch in einer verhandelbaren Ästhetik und im verwendeten Material schon gar nicht.“

Ich muss hier kurz rein…

9783803112361Fernando Pessoa (1922): Ein anarchistische Bankier, Seite 49: „ Ich wollte wissen, welches die größte, die gewichtigste gesellschaftliche Fiktion wäre. An dieser wollte ich mich mehr als an irgendeiner anderen versuchen, wollte sie bezwingen und zur Wirkungslosigkeit verdammen. Die gewichtigste Fiktion in unserer Zeit ist nun einmal das Geld. Wie aber das Geld bezwingen oder – genauer gesagt – wie die Macht bzw. die Tyrannei des Geldes bezwingen? Indem ich mich von seinem Einfluß, seiner Macht befreien würde, seinen Einfluß also besiegen und es, jedenfalls auf meine Person bezogen zur Wirkungslosigkeit verdammen würde. Auf meine Person bezogen, verstehen Sie? Weil ich es war, der es bekämpfte… “

 

Manchmal verspeist Du den Bären und manchmal verspeist der Bär Dich! Das ist die Art wie es läuft..

Sehr verehrte Hörerinnen und Hörer, an dieser Stelle machen wir eine kleine Pause.
Musik bitte:

Liza Minelli – Money makes the world go around / Pink Floyd – Money / Abba – Money, Money, Money / Jessie J – Price Tag / Style Council – Money go round / Joy Fleming – Geld / Torch- Blauer Schein / Rio Reiser – Geld / Ganz Schön Feist – Geld, Knete, Kohle / Massive Töne – Geld oder Liebe / Samy Deluxe – Übers Geld / Rainbow Girls – Please don’t take my money / Dire Straits – Money for Nothing / Cypress Hill – Money / Black Attack – Dirty Money / NAS – Money / The O’Jays – For the Love Money / HardFi – Cash Machine / Superpunk – Neue Zähne für meinen Bruder und mich / Bass.Sultan.Hengzt – Millionär/ Cro – Einmal um die Welt / Aloe Blacc – Dollar / Gunter Gabriel – Hey, Boss, ich brauch’ mehr Geld / Laurel Aitken – Give me back me dallar! / Killing Joke – Money is no tour God / Notorius BIG – Mo’ Money Mo’ Problems / Morrissey – Best Friend on the Payroll / Johnny Cash/Carl Perkins – The Devil to Pay / AC/DC – Moneytalks / The Clash – Bankrobber / Element of Crime – Euro und Markstück / Pet Shop Boys – Opportunities (Let’ make lots of money) / WuTangClan – C.R.E.A.M. / Fritz Servos – Hätten wir lieber das Geld vergraben / Bobbejan – Ich hab kein Geld für ein Orchester / Dennis Brown – Money in my Pocket / Cody Chesnutt – Where is all the money goin’ / Barett Strong – Money (That’s what i want) / Beka Orchester – Wir versaufen unser Oma ihr klein Häuschen / Heintje – Geburtstag / Otto Stenzel&Orchester – Wenn Du Glück hast, fallen 1000 Mark vom Himmel / Donna Summer – She works hard fort he Money / Die Travellers – Der Pleitegeier / Pe Werner – Geld zurück / Kollegah – Money / Macklemore&Ryan Lewis – Make the Money / Bruno Mars – Money make her smile / Lana del Rey – Money, Power, Glory / Simply Red – Money, to tight to mention / J.J. Cale – Money talks / Malaria – Geld/Money / Massiv – Angst, Geld und Hunde/ Der Plan – Etwas Geld / Maxat- Geld ist eine Bitch / Bruce Springsteen – Easy Money / UK – Danger Money / Chris Howland – Und dann hau ich mit dem Hämmerchen… / Janis Joplin – Mercedes Benz / Cindy Lauper – Money Changes Everything / The Kinks – The Money go Round / Goran Bregovic feat. Iggy Pop – Get the Money / Destiny’s Child – Independent Women / Billy Holliday – Go Bless the Child / The Who – Young Man Blues / Patti Smith – Free Money / Ludacris – Money Maker / Afrob- Zähl mein Geld (allein im Keller) / David Guetta – I want money /…

Vom Alleinunterhalter vergangener Zeiten hat sich der Vortragende mittlerweile zu einem veritablen Politiker entwickelt. Mit einer nahezu pointenloser Rhetorik, scheinen ihm die Adressaten völlig aus dem Blickfeld geraten zu sein, selbst wenn der Inhalt des Gesagten eben genau jene Konzentration benötigen würde.

der vortragende.
Und dabei möchte ich hier mal eine Lanze für das Geld brechen! Geld ist – alles in allem – eine gute Sache! Geld ist ein abstraktes Verhältnis auf das wir uns einlassen, um näher zusammen zu kommen! Ja, da sehe ich ungläubige Gesichter! Geld ermöglicht es sich als Fremde zu begegnen und das auch zu bleiben! Das ist doch gut! Ich kann überall oder sagen wir fast überall hin, dort existieren wenn ich über dieses abstrakte, unpersönliche Material verfüge, das andere akzeptieren. Nicht ICH muss von einer Gemeinschaft, Gruppe oder ähnlichem akzeptiert werden, es reicht, wenn mein Geld akzeptiert wird. Und ich meine hier natürlich das Bargeld, die Scheine und die Münzen und nicht die plasteline Umwertung dieses Verhältnisses in Form von Bank-, Kredit-, Bonus-, Kunden-, Mitgliedskarten oder was auch immer. Geld, Bargeld ermöglicht uns Anonymität! Ermöglicht uns die urbane Utopie der Lebensgestaltung zu leben! Ermöglicht uns unser ICH mit seiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht andauernd und fortwährend einer Bewertung aussetzen müssen! Mit Bargeld können wir innerhalb der Gemeinschaft außerhalb sein!

die zuhörenden.
Hier längs…

Karl Marx sagt: „Wenn das Geld das Band ist, das mich an das menschliche Leben, das mir die Gesellschaft, das mich mit der Natur und den Menschen verbindet, ist das Geld nicht das Band aller Bande? Kann es nicht alle Bande lösen und binden?“

Das Band… aller Bande! Die Verbindung zwischen…

Karl Marx sagt weiter: „Ist es nicht darum auch das allgemeine Scheidungsmittel? Es ist die wahre Scheidemünze, wie das wahre Bindungsmittel, die chemische Kraft der Gesellschaft. Es ist die allgemeine Hure, der allgemeine Kuppler der Menschen und Völker.“

Die Verbindung zwischen uns… zwischen den Völkern… die Bestie in uns genauso wie der Schmetterling…

Der Schmetterling?

Ja, in uns wohnt auch ein Schmetterling
Nebenbei: Früher benannte man die Strassen die einfach nur weg, also ins Nirgendwo führten nach afrikanischen Ländern… Kameruner Weg zum Beispiel … Ja so war das…

Aha.

der vortragende.
Seit jeher wollte das Vertrauen durch einen Beweis. Die Deckung war das Entscheidende. Nach und Nach hörte der Glauben an die Geschichte auf und man wollte Geschichten die wie Beweise daher kommen: Das Entscheidende war nicht das Vertrauen, das Vertrauen war schon verschwunden: Nach Homer kostete die Rüstung des Diomedes nur neun, aber die des Glaucus 100 Ochsen.16 Da fragt man sich doch was für Ochsen das waren? Das Geld sollte den Wert vergleichbar machen, sollte irgendeine allgemeine Maßstäblichkeit in den ganzen Zusammenhang einführen!

Von den Bühnenseiten her betreten Tänzer und Tänzerinnen in Tierkostümen die Bühne und finden sich in einer gemeinsamen Choreographie zusammen, die in der Bewegungsfolge ein wenig an eine Mischung aus Sumo-Ringen und Macarena erinnert. Der Vortragende krümmt sich, beide Füße fest auf dem Bühnenboden und presst die Worte unbeholfen aus sich heraus.

Geld als Fleiss-Destillat funktioniert nur regional, wenn es überhaupt funktioniert. Welcher Fleiss soll denn Bitteschön in diesem kleinen Schein Destilliert sein. Mein Fleiß hat doch nicht das alleinige Ziel destilliert zu werden. Golddeckung. Alles Geld hat sein Äquivalent in Gold. Wer hat sie denn je gesehen, die Berge von Gold, die Kammern von Gold // Deckung oder Wirklichkeit oder das Reale spielen doch keine Rolle- das Geld ist im wesentlichen ein nützliches Tauschmittel, das den Austausch zwischen den Menschen und den Nationen reguliert und überhaupt ermöglicht… Wir haben es doch erfunden, wir haben es doch dafür erfunden!

Aber Das Geld ist heute nur eine Behauptung, die auf sich selbst verweist! Geld behauptet sein Dasein: Das Geld intellektualisiert sich und wird Teil des Reiches der Ideen. Die Portemonnaies sind leer und die Bankkonten rot. Die betrachtete, schmerzvolle und ersehnte Geldmenge haben wir nicht in Händen, sondern auf Konten bzw. auf Kontoauszügen oder dort auch nicht. Wir sehen unser Geld nicht mehr. Der Kontoauszug ist kein Geld. Er ist ein nützlicher Zettel, der uns von Geld erzählt. Es ist fast schon egal, ob wir welches haben oder nicht, denn es gibt nichts, es gibt kein Geld mehr. Geld ist ein Derivat seiner Tauschfunktion. Wo es nichts zu tauschen gibt, gibt es auch kein Geld.
DANKE.

Dr. C’s Konversationslexikon: G wie Geld von Armin Chodzinski und Nis Kötting. Es sprachen Armin Chodzinski, Andreas Grötzinger, Ruth Maria Kröger und Iris Minich. Redaktion: Walter Filz. Eine Produktion des Südwest Rundfunk 2015. Quellenangaben und weiterführende Links finden Sie unter www.drc-conversationslexikon.de. Viel Vergnügen und bis zum nächsten Mal, wenn es wieder heißt: Herzlich Willkommen!

„Der erste Konzeptkünstler dürfte jener Münzpräger in grauer Vorzeit gewesen sein, der auf ein Geldstück die Zahl 2 aufprägte, der zweite war dann Duchamp, als er 1913 seine Fahrradfelge durch Einbezug in den Kunstkontext zur Kunst erklärte.“ Clemens August Andreae (1978)

Mit Geld ist es möglich ohne Bitten zu reisen… aufrecht!

Günter Schmölders sagt: >Geld ist, was gilt<

Wenn man nun totales Verfügungsrecht über das Geld hätte, dann wäre man eigentlich auf nichts und niemanden mehr angewiesen, man begehrt nichts von niemanden… Bestie oder Schmetterling!

„solange es gesellschaftlich organisierte Menschen gibt, gibt es auch so etwas wie Geld, symbolische Gegenstände, die, in Ritualen verwendet, dem Austausch von Menschen selbst dienen, also das Verhältnis der Geschlechter zueinander…“ Horst Kurnitzky

Hallo

Hallo

Der Vortragende

Genau

Ich habe euch vermisst…

Ja, passte nicht so gut

Ist was dazwischen gekommen… Wie war’s denn…?

Ganz Ok. Ich glaube es war ganz ok

Um was ging es noch mal genau…

Es ging um Rituale und Glaube und um Tanzen…

„Der Tanz, als mimischer Tanz die Ordnung der Vereinigung repräsentierend, war, – wie das Geld – Ausdruck eines Opferrituals, das den gesellschaftlichen Zusammenhalt garantiert. In diesem Tanz – wie im Geld – zeigt sich unter welchen Verhältnissen sich die Gesellschaft reproduziert.“ Horst Kurnitzky (1978)

Genau und am Ende sind alle aufgestanden und haben erst leise und dann immer lauter gerufen… Rettet die Moderne, werdet anonym…

Schön.

Ja, genau, ganz schön

Sag mal, kennst Du den Vogelforscher Stanislaus Kubary?

Nee.

Der Vogelforscher und Ethnologe Johann Stanisalus Kubary mit dem Blick der Sehnsucht, schrieb mal mitten in der Südsee: „Der Mensch als Tier, hat hier genug zum Lebensunterhalt, will er aber eine Frau haben, Familie gründen, Mitglied eines Staates sein, so muß er Geld besitzen.“

Das Ganze Elend und die ganze Hoffnung… Geld als das stärkste Band einer Gemeinschaft…

Ja, darum ging es auch….

Zu guter letzt schnitt er sich aus Mangel an Geld in der Südsee die Pulsadern auf… verheiratet als Vater einer 15 jährigen Tochter…

wir können nicht zurück ins Paradies, wir sind und wir wollen und wir müssen Teil einer Herde sein…

Auch schön..

na ja

also…