E wie Effizienz

Ur-Sendung: 27. September 2015 / 14.05 Uhr / SWR 2 / Der Doktor kommt!

Die ganze Folge als Download

Was Sie hier finden ist eine Art Sammelsurium. Entlang des Radiofeature-Skriptes finden Sie  Materialien, Verweise, Spuren und Hinweise, die ohne Anspruch auf Vollständigkeit einen assoziativer Einstieg in das Themenfeld bilden. Eine definierte Zugangstür in die Perspektive, die dem Conversationslexikon zu Grunde lag und liegt.

Skript und Verweise und die ganze Sendung:
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die zuhörenden
zau1_978-3-10-348128-0Der Zauberberg, von Thomas Mann…inspiriert von dem ersten geschlossenen Tuberkulosezentrum 1889 in Davos

Wo sich seit 1970 jährlich das Weltwirtschaftsforum zusammenfindet.

In dem Sanatorium?

In Davos…

In dem Sanatorium des Zauberbergs wurde vor allem das Leiden an der hektischen Welt auskuriert. Wenn der Dampfhammer den Rhythmus vorgibt, zerfallen die aristokratisch-bürgerlichen Leitplanken und die Nervosität bricht aus…Neurasthenie

Ahhh…

Das Conversationslexikon. Heute: E wie Effzienz. Eine Radiofeature mit und ohne Publikum von Armin Chodzinski und Nis Kötting.

Der gesunde Mensch ist einfältig…neigt zur Einfältigkeit, während die Krankheit den Menschen erst veredelt…meint Hans Catorp in Thomas Mann’s Zauberberg.

Es gibt auch wirklich Kranke in Sanatorien…

Wirklich Kranke? Was sollen denn wirklich Kranke sein?

Na, Du weißt schon…

Nein, weiß ich nicht!

Na, da ziehen sich die Kranken mit den nicht zu spezifizierenden Symptomen in die Sanatorien zurück, weil sie an der Welt leiden, weil sie nicht mit mithalten können oder wollen… weil ihnen die Welt zu schnell oder zu produktiv oder zu … hart ist und sie sich selber…

was?

… na ja: leid tun… Neurasthenie… Burnout… wenn ich das schon höre…

Bitte?

…mit jemandem der Tuberkulose, Krebs oder oder Demenz hat, willst Du das wohl nicht vergleichen, oder?

Du bist so ignorant und… und… einfach!

„Effizienz [lat: Auswirkendes, Wirkungsgrad] in der Ökonomie Verhältnis von Aufwand und Ertrag. Dazu: effizieren, bewirken. Effiziertes Objekt heißt in der Grammatik der Satzteil, welcher den Gegenstand oder das Resultat eines Verhaltens bezeichnet, das durch ein Verb ausgedrückt wird, z.B. Kaffee kochen, sich eine Beule stoßen.“ Wörterbuch der philosophischen Begriffe. Meiner Verlag Hamburg. 1998. S.165

DEU; Hamburg, Ausstellung von Armin Chodzinski in der Galerie Dorothea Schlueter, Juni 2015, Copyright photo: FRED DOTT

Organizational Behaviour – An Introductory TextBuchanan und Huczynski. Ein oder besser das Lehrbuch über organisatorisches Verhalten.

Zweite Auflage, 1993: Eine gezeichnete Hand hält mit spitzen Fingern eine menschliche Figur und wirft diese in ein Bürogebäude

Wie verhalten sich Menschen als Individuen, in Gruppen, in Organisationen… Wie beinflusst Denken, Fühlen, Wahrnehmen die Struktur einer Organisation und wie lässt sich eben dieses Verhalten steuern…

Fünfte Auflage, 2003: Ein stiller ruhender See, nichts bewegt sich entweder früh morgeens oder am frühen abend ist alles in das besondere Licht der Sonne getaucht, ein Ast schaut aus dem Wasser empor…

Die Theorie der sozialen Systeme, die sich primär an den wirksamen Regeln der Interaktionen zwischen dem Einzelnen, der Gruppe, dem Gesamtsystem und seinem Umfeld orientiert… die Analyse als Grundlage der Gestaltung des sozialen Systems im Hinblick auf die Ziele der Organisation… das Effiziente oder Effektive Handeln des Induviduums…

Siebte Auflage, 2010: Ein Morgenhimmel. Wolken und einen Farbenspiel zwischen Lila und Weiß… man hört mit dem inneren Ohr wahlweise die sphärischen Klänge einer Harfe oder Richard Wagner’s Götterdämmerung…

Ja.

Wie Ja?

Ja, ich höre das auch… Wagner oder Vollenweider, Nietzsche oder irgendeinen Zen-Meister…

(liest)… what we can learn from Harry Potter

produktbilde_michel_foucault…oder von Michel Foucoult: „Unter Regierung verstehe ich die Gesamtheit der Institutionen und Praktiken, mittels derer man die Menschen lenkt, von der Verwaltung bis zur Erziehung. Diese Gesamtheit von Prozeduren, Techniken, Methoden, welche die Lenkung der Menschen untereinander gewährleisten, scheint mir heute in die Krise gekommen zu sein […]. Wir stehen vielleicht am Beginn einer großen krisenhaften Neueinschätzung des Problems der Regierung.“ Zitiert nach: Ulrich Bröckling in Gouvernamentalität der Gegenwart, S.7.

Erst kurz vor Beginn füllt sich der Saal zusehends mit erwartungsvollem Publikum. Die Bühne ist karg: Ein Flipchart, eine 2×2 Meter große mobile Projektionsleinwand, ein kleines Podest auf dem ein Glas Wasser steht und eine Beleuchtung, die den Namen kaum verdient. Man könnte eher sagen: Das Licht ist an!
Der Vortragende betritt die Bühne. In der Hand eine kleine Nebelmaschine, die eifrig und ein bisschen albern Dampf produziert. Das spannungslose Auftreten des Vortragenden und der sich schnell auflösende Nebel vermitteln eine gewisse Trostlosigkeit.

der vortragende.
Sehr verehrte Damen und Herren, guten Abend! Schön, dass Sie es einrichten konnten! Schön, dass Sie sich Zeit nehmen, – das Sie sich Zeit nehmen für E wie Effizienz!

Gemeinsam finden wir uns heute Abend in einem Paradoxon wieder! Mit dem heutigen Abend begeben wir uns gemeinsam in einen unauflösbaren Widerspruch! Durch Ihren Besuch haben Sie den Widerspruch beglaubigt, ihn akzeptiert, nobilitiert, quasi ermöglicht.
Warum? Was ist ein Paradox?
Pinocchios’ Nase wächst bekanntlich, wenn er lügt. Was passiert aber wenn er sagt: „Meine Nase wächst gerade“?

Nahezu konsterniert betrachtet das Publikum die Schritte des Vortragenden, der unbeeindruckt Wasser trinkt und das Flipchart vorbereitet, während auf der Projektionsleinwand der Vorspann einer Kinderserie läuft. Er zeichnet eine Vier-Felder-Matrix; an der vertikalen Achse schreibt er das Wort Effektiv, an der horizontalen das Wort Effizient – den Scheitelpunkt versieht er mit einem Minus, die Endpunkte der Achsen mit einem Plus.

Wir sind versucht das Wort Effizient sofort mit einer bestimmten Form der Wirtschaftlichkeit zu verbinden:

Ok? Viel erreichen, mit möglichst wenig Einsatz? Nein, im Gegenteil: Mit dem Conversationslexikon begeben wir uns auf verschlungene Wege, auf die Spuren der Begriffe, ohne recht zu wissen wo wir dabei landen werden. Ein Flanieren auf der Suche nach Erkenntnis ohne rechtes Ziel, aber mit der Hoffnung, das sie sich einstellen möge – die Erkenntnis. Das ist nun eigentlich das Gegenteil Wirtschaftlichkeit und von Effizienz allemal!

Und das ist das Paradoxon: Denn wenn Sie wirklich etwas von Effizienz in seiner Anwendung wissen wollen würden, dann sollten Sie sicher nicht hierher kommen. Vielleicht trieb Sie ein gewisser kritischer Geist hierher? Eine gewisse Skepsis gegenüber dem Begriff? Oder gerade diese Analyse, das die Auseinandersetzung mit Effizienz immer schon ein Umweg ist, immer schon eine Kraft verbraucht, die auf Ineffizienz beruht! Das sinnlose Verbrauchen von Kraft… Das Verbrauchen von Kraft wird von uns als sinnlos wahrgenommen, wenn es ziellos ist! Ausnahme: Das Hobby, aber das ist ein anderes Thema!

Heute ist die Ziellosigkeit das Schlimmste – die fehlende Perspektive auf das Morgen, das ist das aller schlimmste…selbst wenn – und das ist der Postmoderne Clou an der Sache – wir heute jedwede Sinnlosigkeit mit einem imaginären Ziel in Verbindung bringen, damit rechtfertigen und sogar in einen Imperativ umformulieren können – aber das ist neu, das gibt es noch gar nicht so lange… vor nicht allzu langer Zeit klang das noch anders:

die zuhörenden.
…das anachronistische an Ausstellungen dieser Art ist doch, dass von mir als Besucher eine Auseinandersetzung erwartet wird, die ich gar nicht leisten will.

Ja.

Meistens verstehe ich genau was die sagen wollen, aber es bleibt eben deren Problem…

„Peter Drucker weist darauf hin, dass die Produktionsmittel, die traditionelle Grundlage des Kapitalismus, heute buchstäblich im Besitz der Arbeiter sind, weil sie sie geistig beherrschen und Bedienungsgewalt über sie haben. Was Marx einst erträumte, ist heute Realität, allerdings auf eine Weise, die er nicht erahnen konnte.“ Charles Handy: Die Fortschrittsfalle

PeterDrucker002_jpgWer ist Peter Drucker?

Pionier der modernen Managementlehre. 1954: MBO Management by Objectives – Führen durch Zielvereinbarungen. Innovation und Marketing als Triebfedern des Profits. 1909 bis 2005. Der motivierte Mitarbeiter als zentrale Figur im unternehmerischen Wettbewerb.

Der oder die Einzelne als Schlüssel zum Ganzen…

„Aktien zu kaufen bedeutet eigentlich, eine Wette abzuschließen, dass die Kreativität der MitarbeiterInnen weiter zum Einsatz kommt und dass diese Kreativität nie nachlässt.“ Charles Handy, Die Fortschrittsfalle, 1995

Genau, es kommt immer darauf an, wie sich der Einzelne verhält. Das ist alles vorbei… die Massenorganisation, die Gruppe der Arbeiter… die Organisation, das ist alles vorbei… Ich bin mit allen verbunden! Und mein Potenzial ist das entscheidende. Ich bin mit allen verbunden und alle können sich auf mich verlassen!! Das Ende der Jammerei!!!!

Es gilt die Perspektive zu klären und sich zu fragen worin die Produktivität oder das Funktionieren der Gesellschaft, der Gemeinschaft, ja, des Gemeinwesens steckt! Das ist die Frage und die führt dann direkt auf den Zauberberg zu Thomas Mann oder….oder eben zum Organizational-Behaviour-Lehrbuch! Die Welt einer fortwährenden Analyse unterziehen und dabei mutmaßen was zu tun ist! Der Wirtschaftswissenschafler und Managementlehrer Fredmund Malik, sagt…

Nach einem Exkurs über den reaktionären Anti-Protestsong des Freddy Quinns von 1966 und den Spezifika der damals agierenden Generationen, widmet der Vortragende sich davon ausgehend der Definition und der Unterscheidung der Begriffe: Effektiv und Effizient. Das Flipchart bzw. die Vierfeldermatrix ist übersäht von Strichen, Kreuzen und Pfeilen, die der Vortragende wortreich mit dem Rücken zum Publikum aufmalt und dabei wenig Rücksicht auf die Zuhörenden zu nehmen scheint.

der vortragende.
So, wir fangen also hier links unten mit wenig oder Nicht-Effizient und Nicht-Effektiv an: Also das ist unser Ausgangszustand und das ist unser Ziel, das wir erreichen wollen, dann würde Nicht-Effektiv und Nicht-Effizient bedeuten, das wir am Schluss nicht beim Ziel raus kommen und dafür eine ganz, ganz lange Zeit gebraucht haben.
Nicht Effizient und Effektiv, also hier oben links, würde bedeuten, das wir zwar unser Ziel erreichen, aber dafür eine ganze weile brauchen und viele Umwege machen.
Effizient und Nicht-Effektiv – hier unten rechts – wäre: wenn wir unser Ziel knapp verfehlen, aber dafür keine Umwege machen und sehr effizient dabei sind, sehr schnell da sind.
Die Krönung von allem – hier oben rechts, Effizient und Effektiv: Wir erreichen unser Ziel auf schnellsten Wege. Effizient im Vorgehen und effektiv in der Erreichung des Zieles.

Effektivität /Effectiveness: Wirksamkeit, Grad der …. Wirksamkeit, Ergebnisse, Zweckerreichung, bzw. Grad der Wirksamkeit, das Ausmaß der Erreichung der angestrebten Ergebnisse/Ziele/Zwecke, das Ausmaß, in dem die Leistungen der Verwaltung die gewünschten bzw. geplanten Wirkungen erreichen. Der Output führt zum geplanten Outcome. Der Output führt zum geplanten Outcome der algemeiner: ISO 9000:2005 Nr. 3.2.14 „Ausmaß, in dem geplante Tätigkeiten verwirklicht und geplante Ergebnisse erreicht werden“

Effizienz ist wichtig, aber die falschen Dinge effizient zu tun bleibt Verschwendung und verfehlt den Auftrag. Wessen Auftrag? Und Peter Drucker fragt: Tun wir die richtigen Dinge? Tun wir die Dinge richtig?

Effizienz / Efficiency: Das Verhältnis von Input zu Output, Leistung zu Kosten und/oder anderen Nachteilen/Opfern. Es geht also um Mittel und Wege zur Erreichung der Zwecke/Wirkungen/Ergebnisse der Effektivität, der Wirksamkeit. Damit entspricht „Effizienz“ in vielen Fällen der der Wirtschaftlichkeit oder allgemeiner ISO 9000:2005 Nr. 3.2.15: „Verhältnis zwischen dem erzielten Ergebnis und den eingesetzten Mitteln“ Effizienz ist wichtig, aber die falschen Dinge effizient zu tun bleibt Verschwendung und verletzt den Auftrag der öffentlichen Verwaltung. Effektivität ist wichtiger als Effizienz, Strategie geht vor Effizienz.

Effizienz ist wichtig, aber die falschen Dinge effizient zu tun bleibt Verschwendung und verfehlt den Auftrag. Wessen Auftrag? Und Peter Drucker fragt: Tun wir die richtigen Dinge? Tun wir die Dinge richtig?

Wann kam das eigentlich in die Welt? Das Ziel? Und der Auftrag? Und der Weg? Und die DIN EN ISO 9000:2000 bzw. 2005 als zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem? Oder die internationalen Standards der OECD? Oder die DIN EN ISO 9241-10, Abschnitt 3.2 und 3.4? Effektivität „die Genauigkeit und Vollständigkeit, mit der Benutzer ein bestimmtes Ziel erreichen“, bzw. Effizienz „der im Verhältnis zur Genauigkeit und Vollständigkeit eingesetzte Aufwand, mit dem Benutzer ein bestimmtes Ziel erreichen“.

Effizienz ist wichtig, aber die falschen Dinge effizient zu tun bleibt Verschwendung und verfehlt den Auftrag. Wessen Auftrag? Und Peter Drucker fragt: Tun wir die richtigen Dinge? Tun wir die Dinge richtig?

die zuhörenden.
lenz„Wir werden geboren – unsere Eltern geben uns Brot und Kleid – unsere Lehrer drücken in unser Hirn Worte, Sprachen, Wissenschaften[…] – es entsteht eine Lücke in der Republik, wo wir hineinpassen – unsere Freunde; Verwandte, Gönner setzen an und stoßen uns glücklich hinein – wir drehen uns eine Zeit lang in diesem Platz herum, wie die andern Räder, und stoßen und treiben – bis wir, wenn’s noch ordentlich geht, abgestumpft sind und zuletzt wieder einem neuen Rade Platz machen müssen – das ist, meine Herren! Ohne Ruhm zu melden unsere Biographie…“

Und: „Was lernen wir hieraus? Das lernen wir hieraus, das handeln, Handeln die Seele der Welt sei, nicht genießen, nicht empfinden, nicht spitzfündeln, dass wir dadurch allein Gott ähnlich werden, der unaufhörlich handelt und unaufhörlich an seinen Werken sich ergötzt…“ und so weiter…. Jakob Michael Reinhold Lenz, 1774

Das lernen wir darauf, dass diese unsre…handelnde Kraft nicht eher ruhe, nicht eher ablasse zu wirken, zu regen, zu toben, als bis sie uns Freiheit um uns her verschafft, Platz zu Handeln.“

Ja.

Ja.

Sturm und Drang.

Ja. Woher kennst Du denn das?

Kenn ich eben…

Jakob Lenz, der Vertreter des Sturm und Drang, den Georg Büchner in seiner Novelle „Lenz“ zum Helden machte…

Ja. Ganz schön hier…

Etwas gediegen und die sehen alle…

Ja.

…erfolgreich aus.

Ja.

Ja.

Wusstest Du, das 2014 9,08 Millionen Menschen in Deutschland Mitglied in einem Fitnessstudio waren?

Nein.

Doch. Das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 11,2% und die Tendenz ist steigend. Dabei sind die meisten Mitglieder zwischen 40 und 49 Jahren (23,6%) bzw. zwischen 30 und 39 Jahren (21,7%).

Ok.

In den letzten 5 Jahren ist der Umsatz der Fitnessbranche in Deutschland um ca. 23% auf 4,6 Milliarden Euro gestiegen. Das ist Platz 2 in Europa – mit einigem Abstand auf Platz 3

Erstaunlich.

Ja.

Bei Adam Smith – also bei dem Begründer der Freien Marktwirtschaft – taucht in dem Standardwerk Untersuchung über Wesen und Ursachen des Reichtums der Völker von 1776 ja fast alles irgendwie auf: Auch Arbeitsteilung und Produktivität am Beispiel von der Stecknadelproduktion, die unsichtbare Hand…

Aber…?

…das Wort effizient kommt da nicht ein einziges mal vor

...interessant.

Ja…

sicher?

…ich hab’ es zumindest nicht gefunden….

Noch ein Kaffee?

Vielleicht lieber einen Tee…

Die Projektion zeigt den jungen Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedman, der im Rahmen einer Fernsehshow, die „Lesson of the Pencil“ hält. In diesem Vortrag erklärt Friedman die Funktionsweisen und Errungenschaften der Freien Marktwirtschaft bzw. des Kapitalismus anhand eine Bleistiftes und der Aussgae: Keiner weiss, wie man einen Bleistift herstellt. Der Vortragende steht derweil in der Bühnenmitte und steckt sich geduldig Bleistifte in die Ohren, in die Nase, den Mund, hinter und neben die Brille, unters Kinn, zwischen Schulter und Kopf… und so weiter.

der vortragende.
Seit Adam Smith ist die Arbeitsteilung die Grundsäule der Marktwirtschaft. Der Schlüssel zu der Entwicklungslogik des Systems ist die Arbeitsteilung, die zur Befriedigung der Bedürfnisse Sinn macht. Die Ausdifferenzierung des Tätigseins! Die Selbstverwirklichung. Natürlich gibt es kompetenzintensive Tätigkeiten und niedere Tätigkeiten. Das ist der Preis der zu zahlen ist. Der Preis der zu zahlen ist, ist die Ausdifferenzierung der Welt und die Macht der Kunst und das Reservoir des Universaldilettantismus! Und nach 300 Jahren Arbeitsteilung, verteilen wir die Arbeit auf die Welt und wollen wieder ganz sein – Ganzheitlich wollen wir sein – wir wollen nicht in der Lücke der Republik agieren in die wir passen, wir wollen gestalten und die Lücken sind an das andere Ende der Welt ausgelagert und es ist noch ein paar Jahre zu ignorieren, das dieses andere Ende der Welt immer näher kommt. Macht doch diesen Scheiß mal aus…

Entschuldigung. Auf dem kürzesten Weg ein definiertes Ziel erreichen?! Das ist doch gut! Mit wissenschaftlechen Methoden ein Ziel möglichst schnell erreichen! Frederic Winslow TaylorProzessketten – die Weiterentwicklung des Fordismus! Als Beispiel: Das Ziel ist die Mobilität und das erreicht man arbeitsteilig und maschinenoptimiert am schnellsten… sehr gut!
Nein, das Ziel ist nicht Mobilität… das Ziel ist ein Auto… nein, das Ziel ist ein bestimmtes sozial angemessenes Auto.
Nicht nur die Produktion auch der Konsum will optimiert werden und so agiert General Motors bereits in den 30igern: Der Kunde muss markentechnisch unten einsteigen können und sich langsam hocharbeiten… Cadillac früher bei General Motors.
Bei VW steigt man beim Lupo ein und hört beim Phaeton auf, oder auf das Gesamtunternehmen bezogen fängt man bei Seat oder Scoda an und hört bei Bentley, Bugatti oder Lamborghini auf.
Was war nochmal gleich das Ziel, das es mit aller Effizienz zu erreichen gilt? Mobilität?
Die Aufteilung nach Divisionen: Leichter steuerbar, besser zu kontrollieren: Management by Objectives. Einen Erfinder des Ganzen sehen Sie hier: Alfred P. Sloan Präsident von General Motors von 1923-37 und Erfinder der geplanten Obsoleszenz.

 …geplante Obszoleszenz… oder Produktzyklen… kennen Sie die Livermore Glühbirne? Hier das die Webcam… sie brennt immer noch: Eine Glühbirne in einer Feuerwache, die nachweislich seit 1901 brennt! Aber darüber kann man sich ein anderes Mal echauffieren… Viel lieber möchte ich Sie zurück zu diesem Flipchart leiten: Effizienz und Effektivität! Ein gutes Model, aber es braucht eben ein Ziel, um die Effizienz und die Effektivität zu bewerten.
Wenn das Ziel Mobilität wäre um in dem Auto-Beispiel zu bleiben… Na, sie sehen es selbst… ein höchst ineffzienter, verschlungener Weg zur Erreichung des Zieles! Was ist da los? Genau wir haben uns bei dem Ziel vertan! Das Ziel ist eben gerade nicht die Mobilität als gesellschaftliches Gut, sondern …. der Profit? Die Marktvorherrschaft… die Expansion , die Verdrängung, Wachstum als Selbstzweck… bei alle dem scheint die Matrixbewertung zu verrutschen, denn in dem Fall ist ein möglichst kurzer Produktzyklus sowohl effizient, als auch effektiv!
Was für ein Hohn ist vor diesem Hintergrund KAIZEN – die Kontinuierlichen Verbesserungs Prozesse an den Fließbändern von Toyota bis Volkswagen!? Auch ein anderes Thema!
Wie formulierte es Peter Drucker, als ein Bewunderer und quasi Erbe von Alfred Sloan: Tun wir die richtigen Dinge? Und: Tun wir die Dinge richtig?

Schauen Sie sich noch mal in Ruhe die Matrix an und lassen Sie alles auf sich wirken… ich mache derweil Nebel…MUSIK ab:

die zuhörenden.
…ab einem bestimmten Qualitätsniveau oder bei sehr geringen Lieferzeiten steigt die Kundenzufriedenheit nur noch geringfügig und stagniert sogar.

Ja.

„Qualität ist das was der Kunde will. Ausschlaggebend ist somit die vom Kunden subjektiv empfundene Qualität. Nur so kann der Kunde einerseits zufriedengestellt und andererseits ein Overengenieering vermieden werden.“

Weil die Kundenzufriedenheit das Ziel ist, wäre es ineffizient ein zu gutes Produkt herzustellen…

Und: „Keine kostenorientierte Preispolitik, sondern eine kundenorientierte Preispolitik ist gefragt. Was ist der Kunde bereit zu zahlen?“

Weil der Preis ein Teil des subjektiven Qualitätsempfinden ist…

Ja. Online-Lehrbuch Betriebswirtschaft, Kapitel 2, Marktprozesse.
Also ich nehme noch einen Kaffee…Du auch.

Ja. Der Weg ist das Ziel. Ist das nicht eigentlich ein völlig anarchisches Prinzip? Da hätte das Prinzip von Effizienz oder Effektivität doch gar keine Bedeutung…

Oder es nimmt nur die Effektivität weg und ist ein radikales Plädoyer für Effizienz… also für das Vorgehen und Handeln selbst… Wenn der Weg das Ziel ist, dann muss der Weg eben optimiert sein und es muss so viele Wege geben, dass man in gar keinen Fall in die Nähe eines Zieles kommt.

So wie nicht alt werden können?

Bitte?

Das Modell der besorgten, hilfsbedürftigen und immobilen Oma und Opa hat sich abgelöst durch, Großeltern mit einem eigenen Leben… Enkel sind eben kein Ziel mehr

Das klingt so ein bisschen reaktionär, oder?

Der Weg ist das Ziel fokussiert auf das intensive Jetzt und vernebelt das Zukünftige, das nur noch zu einer Erzählung wird…

Gibt es hier eigentlich auch Kuchen?

Wie war das? Effizienz, als der rationale Umgang mit knappen Ressourcen… jetzt geht hier zwar alles durcheinander, aber das Leben ist natürlich auch eine knappe Ressource und dessen unwiderlegbares Ziel ist der Tot, also wenn man das jetzt so ganz individualistisch sehen würde. Die Idee der Arterhaltung ist dann natürlich eher so einen, also nach der Aufklärung irgendwie eher so eine romantische Vorstellung…

… die ihre Entsprechung in der Aktiengesellschaft hat!

Wieso?

Die Aktiengesellschaft ist eine Gesellschaftsform, eine Handelsgesellschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit, die in der Regel den Betrieb eines Unternehmens zum Gegenstand hat. Bei der Aktiengesellschaft stellt sich die kapitalgesellschaftliche Konzeption, die auf Vermögensvereinigung und Vermögensmehrung gerichtete Zielsetzung, am deutlichsten dar.“ Also: Unsterblichkeit und Wachstum als Zielvorgaben

Ja, aber was könnten denn sonst auch Ziele sein?

Ziele sind Ziele!

Ziele sind Ziele sind Ziele…

„Sobald der Geist auf ein Ziel gerichtet ist, kommt ihm vieles entgegen!“ Goethe

Es ist nichts als die Tätigkeit nach einem bestimmten Ziel, was das Leben erträglich macht.“ Schiller

„Am Ziel deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel.“ Ebner-Eschenbach

„Wer ans Ziel getragen wurde; darf nicht glauben; es erreicht zu habe.“ Auch Ebner-Eschenbach

Wenn ein Kapitän nicht weiß, welches Ufer er ansteuern soll, dann ist kein Wind der richtige.“ Seneca

„Die Welt gehört dem, der in ihr mit Heiterkeit und nach hohen Zielen wandert.“ Emerson

„Die Welt macht dem Menschen Platz, der weiß, wohin er geht.“ Emerson

„Wenn wir die Ziele wollen, wollen wir auch die Mittel.“ Kant

„Nachdem wir das Ziel endgültig aus den Augen verloren hatten, verdoppelten wir unsere Anstrengungen.“ Mark Twain

Sehr verehrte Hörerinnen und Hörer aus inhaltlichen Gründen möchten wir Ihnen an dieser Stelle kurz Zeit geben ihren etwaigen Bedürfnissen nachzugehen. Währenddessen ein bisschen Musik. Viel Vergnügen.

Danke. Auf der Bühne hat sich mittlerweile der Nebel verzogen und der Vortragende führt gewöhnungsbedürftige Übungen zur Perspektive durch, mit deren Hilfe er seiner Argumentation ein wenig Stringenz verleihen möchte. Anbetracht der begrenzten Bühnenfläche wirken diese … Bewegungen wenig anschaulich, sondern eher etwas lächerlich.

der vortragende.
Wenn Sie die Augen verschliessen und kleine Schritte tun, kommen sie nur langsam voran… sehen Sie? Öffnen wir die Augen und sind die Schritte klein brauchen wir den Blick nach unten um uns von Hindernissen nicht aus dem Tritt bringen zu lassen. Erst wenn – und das wäre jetzt zum Beispiel einer unternehmerische Variante des Ganzen – wir den Blick in den Horizont richten und mit großen Schritten dem entgegen gehen, dann lassen wir uns von kleinen Hindernissen nicht mehr stoppen! Wir gehen dem Ziel entgegen.Der Horizont sorgt für – und das ist der Idealfall – Effizienz und Effektivität.
Allein auch hier wieder: Was ist das Ziel? Wir haben keine Ziele! Und wenn wir keine Ziele haben, dann gehen wir entweder sehr kleinteilig, bleiben sitzen oder orientieren uns in der überschaubaren Umgebung. Die Utopie, Die Ideologie, die Unterdrückung und die konkrete Repression, das Unternehmensziel, die Religion das Mission-Statement sind – so zynisch das anmuten mag Produzenten von Effizienz und Effektivität, die nicht grundsätzlich nur Selbstzweck sind, sondern aus bestimmten Perspektiven sogar so etwas wie Sinnstiftung produzieren!
Die Versprechung eines Paradieses! Die Versprechung eines Morgens! Die Versprechung auf etwas das noch kommt, aber zu erreichen sein könnte, weil es es sich im Metaphysischen zeigt…

„Denn entweder ist ein angenehmes, das heißt also ein vergnügtes Leben moralisch verwerflich, dann darfst du nicht nur keinem Menschen dazu verhelfen, sondern musst es sogar allen Leuten soviel als möglich zu nehmen suchen, weil es ihnen ja schädlich und höchst verderblich ist.

(lacht und spielt…)

„Oder aber, wenn das Vergnügen etwas Gutes ist, das du deinem Nächsten verschaffen darfst, ja vielmehr sollst, warum nicht vor allen Dingen deiner eigenen Person, der du doch nicht weniger gewogen sein solltest als anderen Leuten? Denn wenn die Natur dich mahnt, gegen andere gut zu sein, verlangt sie doch nicht gleichzeitig von dir, gegen dich selber erbarmungslos zu wüten! Deshalb meinen die Utopier, die Natur selbst habe uns vielmehr ein angenehmes Leben, das heißt eben das Vergnügen, als Ziel aller unserer Handlungen vorgezeichnet und nach ihrer Leben nennt sich Tugend.“ Thomas Morus, Utopia, 1516. (Seite 90f)

Ja. (albern)

Kannst Du bitte Dein Telefon weglegen?

Weißt Du? Irgendwie reicht mir das jetzt langsam…

„Es ist nichts mit der Moral: moralische Werte haben keine unbedingte Geltung sondern sind nur in einer bestimmten Situation nützlich oder nutzlos. […] Es ist nichts mit der Wahrheit: Unbezweifelbare objektive und ewige Wahrheiten sind nicht erkennbar. Wahrheit ist stets subjektiv. […] Gott ist tot: Es existiert keine übergeordnete ewige Instanz. Der Mensch ist auf sich selbst zurück geworfen. Die ewige Wiederkehr des Gleichen: Geschichte ist nicht finalistisch es gibt keinen Fortschritt und kein Ziel“ Friedrich Nietzsche

Es reicht mir hier ziellos in Begriffen herumzustochern, dabei Kaffee zu trinken und mir ein ums andere Mal Zitate an den Kopf werfen zu lassen.

Wie?

Es ist ganz einfach: Die Welt ist schlecht: Begriffe hin oder her! Daran kann ich angesichts globaler Zusammenhänge und irreführenden Verwobenheiten nichts ändern!

Alle Probleme die wirklich relevant sind, kann ich nicht sehen: Sie sind zu komplex – zu bedrohlich – zu unsichtbar – zu weit weg – zu verfahren – ok?

Ich kann jetzt dieses Schneeflocken-Dings denken, wo man eine Schneeflocke ist, die den Ausschlag gibt, die den Ast brechen läßt…. aber das ist doch auch quatsch…

Aber der Vortragende…

Der Vortragende, der Vortragende… der kann mich mal der Vortragende – hat der überhaupt ein Ziel???

Ähh, Weiss ich nicht…

Nee, der hat kein Ziel…., der nicht!Nein, nicht so.

Der Vortragende fühlt sich auf der eher kargen Bühne sichtlich wohl: Seine Augen wandern vom Flipchart, zur Leinwand, zum Publikum und zu Nebelmaschine und wieder zurück. Er schaut aber nicht wirklich, sondern kontrolliert viel mehr, ob noch alles an seinem Platz ist. Nach einem Blick auf seine Armbanduhr, verändert sich sein Sprechen merklich.

der vortragende.
Die Konzeption der Effizienz ist eben – und das gilt es sich zu vergegenwärtigen eine Konzeption… also eine umfassende Zusammenstellung von Zielen, Strategien, Maßnahmen zur Umsetzung eines größeren und deshalb strategisch zu planenden Vorhabens.
Eine Konzeption, also auch die Effizienz beinhaltet die dazu notwendigen Informationen und Begründungszusammenhänge, eine Chancen-Risiken-Abwägung, einen Zeit- und Maßnahmenplan, eine Ressourcenplanung: Zeit, Geld, Material, Personal… Macht!
Subtrahiert man aber nun diese Macht und löst die Effizienz aus seinen wertschöpfenden Verknüpfungen, bleibt ein Synonym für Optimierung übrig… und im 21 Jahrhundert muss diese Optimierung zunächst mal gar nicht auf ein fremdbestimmtes Ziel hin definiert sein, sondern kann alle Ziele oder keine Ziele haben…

Schlüsse ziehen, Analysen vornehmen – das ist etwas völlig anderes als Meditation, die ja mehr oder minder immer eine Art Wehrkraftertüchtigung im Transzendentalen bleibt…
Bleiben wir bei dem Begriff, bleiben wir bei Effizienz, die natürlich eine Analyse von Allem braucht, um überhaupt entscheiden zu können was denn in der Grundfunktion der optimale Zustand sein könnte, ohne das dieser von irgendeiner abstrakten Macht oder Ideologie verordnet wird…

Natürlich ist in der Breite das Ziel noch als gegeben angenommen: Leistung, Erfolg, Geld Auto, etc… aber zumindest ist es an dem Körper überprüfbar und das Sammeln von Daten über sich selbst ist letzen endes eben auch ein emanzipatorischer Akt, das Einlösen oder zumindest ein weiterer Schritt in Richtung SELBSTERKENNTNIS, die ja Kritik und Reflexion und all das impliziert…

Auf der Projektionsleinwand sind unterschiedlichste Menschen mit Kabeln, Armbändern und Computern zu sehen und der Vortragende schaut fasziniert zu. Mit dem Rücken zum Publikum schaut der Vortragende auf die Leinwand und beginnt vorsichtig und langsam von einem Bein auf das andere zu hüpfen.
Ein weiteres Mal an diesem Abend versprüht die Nebelmaschine ihren zähen Dampf in den Raum, und unmerklich wird eine Musik immer lauter, die nach und nach den ganzen Raum einnimmt.

Selbstvermessung ist Effizienzforschung.
Selbstvermessung ist oder kann nach Aufwand und Ertrag fragen, weil es kein Ziel außer die Erhaltung und Pflege des eigenen Körpers hat – das Wohlbefinden. Aber das ist ein anderes Thema.

Wenn uns die Ziele abhanden gekommen sind, die greifbaren oder metaphysischen Ziele abhanden gekommen sind, muss die Frage nach dem eigenen Körper, nach dem eigenen Wohlbefinden gar keine Vereinzelung bedeuten – denn wir sind soziale Wesen, wir sind Herden und Gruppen-Tiere.

Der Fokus auf die Grundbedingungen von Aufwand und Ertrag könnte, könnte uns irgendwo hinführen… irgendwo könnte uns das hinführen, wenn wir vom Abstrakten wieder zurück ins Konkrete kommen!

Was kann denn ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess auf Grundlage des eigenen Körpers, auf Grundlage der eigenen Datenbasis, auf Grundlage der eigenen Messverfahren überhaupt bedeuten?

Was ist der Rausch? Erst kommt die Analyse und dann vielleicht die Gestaltung oder vielleicht auch nicht! Und so suchen wir nach einem eigenen Rhythmus und finden heraus, das alle Imperative ineffizient sind! Alle Imperative sind ineffezient! Sei Kreativ – Ineffzient! Go Create – Ineffizient! Ruf mich an! – Ineffizient! Meine Nase wächst gerade!!

                  Danke.

Dr. C’s Conversationslexikon: E wie Effizienz von Armin Chodzinski und Nis Kötting. Es sprachen Armin Chodzinski, Andreas Grötzinger, Ruth Marie Kröger und Iris Minich. Redaktion: Walter Filz Produktion Südwest Rundfunk 2015. Quellenangaben und weiterführende Links finden Sie unter www. Conversationslexikon.de –(mit C).

Und jetzt willst Dun hier einfach den ganzen Tag sitzen bleiben?

Ja, ich habe keine Lust mehr! Man bewegt sich hier wie an Fäden durch die Stadt, um am Ende ein lauwarmes Bier in irgendeiner Kneipe zu trinken und sich dabei einfach nicht gut zu fühlen…

Da fällt mir der Begriff Interpassivivtät zu ein: Psychologisch ist Interpassivität eine subtile Form der Flucht vor dem eigenen Genießen. Anstatt selbst zu genießen, lässt der Interpassive Andere für sich genießen. Hinter dem Wunsch nach Interpassivität steht die Angst, die die Konfrontation mit dem eigenen Genießen, der Jouissance im Sinne Jacques Lacans verursacht. Das Subjekt wehrt die Verunsicherung ab, die mit intensiven Gefühlsregungen einhergeht, und begnügt sich mit der passiven, delegierten Form des Empfindens, die es vor echter Anteilnahme schützt. – Wikipedia

Stop. Ich bleibe hier sitzen. Du kannst auch hier sitzen bleiben. Wir können gemeinsam Essen und vielleicht auch einfach nichts sagen… in jedem Fall will ich keine Zitate mehr hören..

Und der Vortragende?

Der kann mich mal…. (Telefon klingelt)

Das ist er… (geht ran) Zuhörender

Hallo! Wo bleibt ihr denn? Die Show war schon, aber …

Ach wie schade, aber ganz im ernst: Es ist so, das wir einfach nicht kommen wollen – das ich einfach nicht kommen will! Mich interessiert es einfach nicht… Ich sitze – Wir sitzen hier im Cafe und hier bleiben wir auch…

Schade, denn es ging heute um Ziele und Wege und Umwege…

Schön, aber ich bin es leid zu behaupten ich wäre gerne gekommen… wäre ich nicht und es mir eigentlich auch egal wie es war…

Ja, war ganz gut und auch fröhlich…. vielleicht ja beim nächste Mal

Nein,

Ich schick’ die Termine nochmal per Mail…

Brauchst Du nicht

Am Ende haben diemal alle ganz einzeln den Saal verlassen und vor sich hin gesprochen: 1,2,3,4,5,6,7,8 und 1,2,3,4,5,6,7,8

Ja… Tschüss (legt auf)

Hier gibt es jetzt aber nur so Kleinigkeiten, wollen wir sonst woanders hin…

Nein.