Incertitudes / Ungewissheiten ab 11. September

Eine Ausstellung im Goethe-Institut Lyon für die die sich in Lyon langweilen… Vernissage le vendredi 11 septembre 2015, 19h Avec des œuvres de Babak Behrouz, Carsten Benger, Christiane Blattmann, Armin Chodzinski, Marlene Denningmann, Anja Dietmann, Jens Franke, Verena Issel, Anna Steinert et Helena Wittmann L’exposition présente une sélection d’artistes de Hambourg qui ont obtenu une bourse de la ville en 2015. L’état d’incertitude y est décliné à la fois comme moment de quête et espace de potentialité. On y retrouve la perte de certitude et de responsabilité, mais aussi la possibilité d’une marge de manœuvre individuelle et collective. Les installations reflètent un usage délibéré de techniques et de matériaux éphémères. En Résonance avec la Biennale de Lyon 2015 En coopération avec le Kunsthaus Hamburg et la Kulturbehörde Hamburg. Goethe-Loft / 18 rue François Dauphin  / 69002 Lyon

hans castorp review

Wenn die verschriftliche Kritik keinen Widerspruch fordert, sondern vor allem ein erstauntes Weiterdenken fördert, so liegt das entweder an der Ausstellung selbst oder an der Qualität der Kritikerinnen – meist aber wohl an letzteren. Vielen Dank an Nina Groß und Raphael Dillhof: […] Pathologisierung und instutionalisierte Erholung für die am Rhythmus der Welt Erkrankten wird zur Industrie – im Namen der Selbstoptimierung werden Luftkurorte, Thermalbäder, Trimmdich-Pfade und BurnOut- Sanatorien zur kapitalistischen Antwort auf veränderte Arbeitsstrukturen und sich beschleunigende Abläufe. Wohldosierte Entspannung, professionelle Zuwendung und körperliche Ertüchtigung garantieren eine unproblematische Rückführung ins System. Als sich der Nebel erneut verflüchtigt, verlässt die Ausstellungsbesucherin den vertäfelten Raum und schreitet über die knarzenden Dielen durch den zweiten Raum der Altbau-Galerie. Wie eine Fußnote zur Ausstellung zeigt Chodzinski hier sieben Ausgaben von „Organizational Behaviour: an introductory text“ von David A. Buchanan und Andrzej Huczynski, ein seit seiner Erstveröffentlichung 1991 sieben mal neu aufgelegtes Standardwerk der Wirtschaftspsychologie. Die reichillustrierten Lehrbücher liegen auf einem Wandboard, Bibeln der wirksamen Ordnung und Organisation, die das menschliche und institutionelle Verhalten in Mikro- bis Makrostrukturen untersuchen. Die Bücher selbst erleichtern die Lektüre und Wissensaufnahme durch eine strukturierte Text- und Bildorganisation. „Organizational Behaviour involves the reader directly, placing you in the position of […]

Hans Castorp. (Rosenquist, Horizon Home Sweet Home, 1970 Revisited)

Dorothea Schlüter, Große Bäckerstrasse 4, 20095 Hamburg Eröffnung: Freitag, 29. Mai, 19 Uhr. Laufzeit 30. Mai bis 4. Juli, 2015 Armin Chodzinski: Hans Castorp. (Rosenquist, Horizon Home Sweet Home, 1970, revisited.) Der eurozentrische Blick auf das Individuum ist von der Ökonomie geprägt, in der die Gemeinschaft nicht viel mehr als eine zu differenzierende Kundengruppe ist. Die künstlerischen Arbeiten von Armin Chodzinski sind gesellschaftlichen Prozessen am Ende der Industriegesellschaft gewidmet. Er vermengt formal und inhaltlich Fragen der Kollektivität, der Romantik und einer gesellschaftlichen Struktur, die sich von hierarchischen Prinzipien zum Netzwerk und zum Schwarm entwickelt. Elemente der Organisationsforschung, der Netzwerkanalyse oder individuelle Begegnungs- und Bewegungsraster zeichnet er mittels Bleistift auf raumhohe Pappelsperrholzpaneele. Armin Chodzinski ist Zeitdiagnostiker, Performer, Künstler sowie Vortragskünstler, Ex-Manager und Autor. Die Bandbreite der Beschäftigungsfelder mag verunklaren, dass sich sein Zugang zu den Dingen vornehmlich aus der bildenden Kunst speist. Bei aller Diskursivität und Lautstärke steht das Material, die Form, die Klugheit des künstlerischen Tätigseins und das Dummwerden vor der ästhetischen Erscheinung im Mittelpunkt seiner Arbeit.

horizon home sweet home

»One piece I did back in 1970 was a room of vertical colored panels, and then I put a dry ice fog on the floor and Claude Picasso came and started taking photographs of it. I had just met him. And the colors seemed to disappear right into the floor, and the floor seemed non-existent. It was a fog. And with reflective panels. So the reflection that went into the fog was very unusual too. Because the energy from the reflection disappeared as it went into the fog. So that’s the way I accomplished that feeling. I did one version that was called Home Sweet Home, and the other one was called Slush Thrust.« James Rosenquist quelle

das geschäftsjahr 1968/69

»Das Publikum liebte den Effekt bereits, sein rebellisches Zucken, sein elektrisierendes, befreiendes Wesen. Die alten Tanzformen wurden dadurch zerstört, unmöglich gemacht. Der rasante Wechsel von der Finsternis ins Überhelle schien ins Zentrum der Doppelnatur eines jeden zu treffen, der Blitz weckte schlafende Kräfte, befreite Energien, Lüste und Neigungen, verscheuchte die Hemmungen. (…) Ein mentaler Ruck hatte jeden durchfahren und die Zeit in ein Davor und Danach geteilt.« (Bernd Cailloux, Das Geschäftsjahr 1968/69, 2005)

a monthana mágica

»Wir müssen liegen, immer liegen. Settembrini sagt immer, wir lebten horizontal, – wir seien Horizontale […]. Der Mund stand ihm offen, denn er konnte nicht recht durch die Nase atmen, ohne dass er übrigens Schnupfen gehabt hätte. Sein Herz hämmerte in falschem Takte zur Musik, was er dumpf als quälend empfand. Und in diesem Gefühl von Unordnung und Widerstreit begann er einzuschlafen.« (Thomas Mann, Der Zauberberg, 1924)

upcoming

So langsam füllen sich die Seiten und trotz aller Vorläufigkeit scheint ein Hinweis angebracht: Vom 16. April bis zum 24. Mai 2015 zeigt das Goethe-Institut in Paris die Ausstellung: Ungewissheiten, die Hamburg-Stipendiaten des laufenden Jahres versammelt. Im Rahmen dieser Ausstellung, die in der Folge durch Frankreich reisen wird, wird die Arbeit Blue Collar I (2015) zu sehen sein, die durch die Buchstaben: A, K, O, U, W und Z des Tanzalphabet ergänzt wird.