winterthur: Grosse Mythen – Kleine Mythen

In der Gegenwartskunst dominieren heterogene und hybride Formfindungen sowie das Sampeln von divergentem Text-, Sound- und Bildmaterial, welches im besten Fall in neue und werkimmanent plausible Zusammenhänge gebracht wird. Besonders die erzählerische Struktur in Videos ermöglicht mittels Begriffen, Klängen und Bildern eine Kette von Ursachen und Wirkungen sowie Absichten und Motiven herzustellen. Dieses Verfahren korrespondiert mit Techniken der Werbung: Um Produkte mit einer spezifischen Aura aufzuladen, werden sie in schillernde und «neomythische» Erzählungen eingebettet, welche durch eingängige Formulierungen und effektvolle Optiken vermittelt werden. Die Gruppenausstellung #72 (Gastkuratorin Joëlle Menzi) versammelt künstlerische Positionen, welche mit vertrauten Motiven sowie begrifflichen Suggestionen spielen. Als Lesehilfe und theoretischer Fluchtpunkt dienen die Mythen des Alltags von Roland Barthes. In seinem Frühwerk reflektiert Barthes die Wirkungsmacht kollektiver Bilder und Erzählungen in kulturellen Phänomenen der konsumistischen Nachkriegsgegenwart. Kuratiert von Joelle Menzi. Zur Eröffnung Vortrag und Musik: WER WILL DENN ZUM VERZICHT AUFRUFEN, WENN ALLES DENKEN SICH AUS ÜBERFLUSS GEBIERT!